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<title>Tamur</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Tamur</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Tamur</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russisch</a></span> <span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl" style="font-style:normal">тамур</span>), auch <i>pandur</i> (пандур), ist eine zweisaitige Langhals<a href="Lauteninstrument" title="Lauteninstrument">laute</a>, die vom Volk der <a href="Awaren_(Kaukasus)" title="Awaren (Kaukasus)">Awaren</a> in der russischen Republik <a href="Dagestan" title="Dagestan">Dagestan</a> meist zur Gesangsbegleitung gespielt wird. Das <a href="Zupfinstrument" title="Zupfinstrument">Zupfinstrument</a> gehört zu einer Gruppe von Lauteninstrumenten mit einem schmalen <a href="Korpus_(Musikinstrument)" class="mw-redirect" title="Korpus (Musikinstrument)">Korpus</a>, die unter ähnlichen Namen im <a href="Kaukasus" title="Kaukasus">Kaukasus</a> verbreitet sind, darunter die <i><a href="Pondur" title="Pondur">pondur</a></i> in <a href="Tschetschenien" title="Tschetschenien">Tschetschenien</a> und die <i><a href="Panduri" title="Panduri">panduri</a></i> in <a href="Georgien" title="Georgien">Georgien</a>. Die <i>agach kumuz</i> in Dagestan ist eine mit der <i>tamur</i> baugleiche Langhalslaute mit drei bis vier Metallsaiten.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft_und_Verbreitung">Herkunft und Verbreitung</h2></div>
<p>Die ältesten Belege für Langhalslauten stammen aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. In <a href="Mesopotamien" title="Mesopotamien">Mesopotamien</a> wurden zwei- bis dreisaitige Instrumente, von denen nicht bekannt ist, ob sie <a href="Bund_(Saiteninstrument)" title="Bund (Saiteninstrument)">Bünde</a> besaßen, stets mit einem Plektrum in der rechten Hand gezupft.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Name <i>pandur</i> geht auf das <a href="Sumerische_Sprache" title="Sumerische Sprache">sumerische</a> <i>pan-tur</i> zurück, das „kleiner Bogen“ bedeutet. Die Entwicklung der Laute brachte gegenüber der <a href="Harfe" title="Harfe">Harfe</a> den Vorteil, dass sie kleiner und leichter war und auch beim Marschieren gespielt werden konnte. Das Wort setzt sich aus <i>pan</i>, dem im westlichen Asien weithin geläufigen Namen für die Bogenharfe, und <i>tur</i>, „klein“, zusammen. <i>Tur</i> kommt noch in der <a href="Georgische_Sprache" title="Georgische Sprache">georgischen Sprache</a> als <i>tar, thir</i> oder <i>tul</i> in derselben Bedeutung vor.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mit <i>pandur</i> ist <i>pandura</i> für die antike griechische Laute und <i><a href="Pandora_(Musikinstrument)" title="Pandora (Musikinstrument)">pandora</a></i> verwandt. Franzis Galpin führt den in der arabischen Literatur erstmals im 7. Jahrhundert für ein Musikinstrument auftauchenden Namen <i>tunbūr</i>,<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> entsprechend <a href="Persische_Sprache" title="Persische Sprache">persisch</a> <i><a href="Tanbur" title="Tanbur">tanbūr</a></i>, auf <i>pandur</i> zurück. Zum Wortumfeld von <i>tanbūr</i> gehören eine Reihe von Langhalslauten in einem weiten Gebiet zwischen dem <a href="Balkanhalbinsel" title="Balkanhalbinsel">Balkan</a> im Westen (<i><a href="Tambura" title="Tambura">tambura</a></i>), Nordafghanistan (<i><a href="Dambura" title="Dambura">dambura</a></i>), Südpakistan (<i><a href="Tanburo" title="Tanburo">tanburo</a></i>) und Indien (<i><a href="Tanpura" title="Tanpura">tanpura</a>, <a href="Tandura" title="Tandura">tandura</a></i>). Die georgische <i>panduri</i> ist mit der <a href="Armenien" title="Armenien">armenischen</a> <i>pandura</i> form- und sprachverwandt. <a href="Tschetschenische_Sprache" title="Tschetschenische Sprache">Tschetschenisch</a> <i>pondur</i> heißt nicht nur eine etwas anders als die <i>tamur</i> geformte Langhalslaute, sondern ist ferner die allgemeine Bezeichnung für ein Musikinstrument in Tschetschenien.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Die <i>tamur</i> besitzt einen schmalen Korpus, der sich elegant zum Hals verjüngt und in der Draufsicht ein langes Trapez bildet, also mit einer geraden Kante an der Unterseite endet. Im oberen Drittel ist der Korpus tiefbauchig und läuft in der Seitenansicht spitz auf das untere Ende zu. Manche Instrumente enden nicht gerade wie ein Brett, sondern gabelförmig mit mehreren Zinken. Traditionell wird der Korpus der <i>tamur</i> aus einem Block Lindenholz herausgeschnitten. Die hölzerne Decke ist flach und mit einigen kleinen Löchern in unterschiedlicher Anordnung perforiert. Die beiden Saiten verlaufen über einen lose auf der Decke aufgesetzten Steg bis zu seitenständigen <a href="Wirbel_(Musikinstrumentenbau)" title="Wirbel (Musikinstrumentenbau)">Wirbeln</a> am Ende des geraden Halses. Das Griffbrett hat Bünde. Einige moderne Instrumente sind entsprechend der tschetschenischen <i>pondur</i> mit drei Metallsaiten und Wirbeln mit <a href="Stimmmechanik" title="Stimmmechanik">Stimmmechanik</a> wie bei der <a href="Gitarre" title="Gitarre">Gitarre</a> ausgestattet.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Teilweise unterscheiden die Awaren die zweisaitige <i>tamur</i> von der gleich geformten <i>agach kumuz</i> (<i>agatsch komus</i> oder <i>agach komuz</i>) mit drei bis vier Saiten.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei den <a href="Darginer" title="Darginer">Darginern</a> heißt die <i>agach kumuz</i> auch kurz <i>kumuz</i>, entsprechend <i><a href="Komuz" title="Komuz">komuz</a></i>, einem in Zentralasien weit verbreiteten Namen für Langhalslauten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>
<p>Der Musiker zupft mit der rechten Hand die Saiten einzeln oder produziert Akkorde, wenn er alle gleichzeitig anschlägt, und verkürzt die Saiten mit der linken Hand am Griffbrett. Die hauptsächliche Vokalmusik ist bei den Awaren und bei den meisten anderen der rund 30 verschiedenen Völker in Dagestan der Liedvortrag eines meist männlichen Solosängers, der sich auf einer Zupflaute begleitet. Die Awaren verwenden für die Gesangsbegleitung anstelle der <i>tamur</i> auch die Stachelfiedel <i>chagana</i> und die <a href="Rahmentrommel" title="Rahmentrommel">Rahmentrommel</a> <i>chchergilu</i>. Die erzählende Gesangstradition, in der über kurzen melodischen Phrasen Heldengeschichten und historische Begebenheiten vorgetragen werden, ist mit derjenigen des <a href="Aserbaidschan" title="Aserbaidschan">aserbaidschanischen</a> Barden <i>ashyq</i> und des türkischen <i><a href="A%C5%9F%C4%B1k" title="Aşık">aşık</a></i> verwandt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die typischen, von Männern gesungenen Lieder heißen <i>kalul kutschdul</i> und bestehen aus einer häufig wiederholten Melodie zur Wiedergabe der Erzählung. Eine weitere Melodiephrase umrahmt den Erzähltext als Einleitung und Schluss.
</p><p>Bei den Darginern, der zweitgrößten Volksgruppe in Dagestan, steht ebenfalls der Männergesang im Mittelpunkt. Sie begleiten ihn wie die <a href="Kumyken" title="Kumyken">Kumyken</a> und <a href="Lesgier" title="Lesgier">Lesgier</a> mit der Langhalslaute <i>tschongur</i> (verwandt mit der georgischen <i><a href="Tschonguri" title="Tschonguri">tschonguri</a></i>) oder der <i>agach kumuz</i>. Die gleichermaßen verwendeten Tonskalen und der Rhythmus mit einem typischen Wechsel von 6/8- und 3/4-Takten zeigen die musikalische Verwandtschaft der dagestanischen Volksgruppen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><i>Tamur.</i> In: Laurence Libin (Hrsg.): <i>The Grove Dictionary of Musical Instruments.</i> Bd. 4, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 705</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=tzufjXTrii0"><i>Avar (Dagestan) Music, with Pandur İnstrument</i>.</a> Youtube-Video (Musiker: Rasul Omarow, <i>tamur</i>)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=PBZHznCzJUw">Расул Омаров – МагIарулал. Фестиваль Золотая осень – 2012.</a> Youtube-Video (Rasul Omarow in einem Konzert, 2012)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=V-GpdIDsIXk"><i>Pandur – Xabib Gunib (Avarca).</i></a> Youtube-Video (Musiker: Xabib Gunib, <i>tamur</i>)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=dWaTVWsM7Rw">Агъач-къумуз.</a> Youtube-Video (vier Musiker spielen viersaitige <i>agach komuz</i>)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=gyD3Lf8iRsw">Цамаури. Конкурс исполнителей на пандуре и чагане "Играй, душа!"</a> Youtube-Video (30 Minuten aus einem öffentlichen Vorspiel-Wettbewerb mit der zweisaitigen <i>temur</i>)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Wilhelm Stauder: <i>Die Musik der Sumer, Babylonier und Assyrer.</i> In: Bertold Spuler (Hrsg.): <i>Handbuch der Orientalistik.</i> 1. Abt. <i>Der Nahe und der Mittlere Osten.</i> Ergänzungsband IV. <i>Orientalische Musik.</i> E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 195</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Francis W. Galpin: <i>The Music of the Sumerians and their Immediate Successors, the Babylonians and Assyrians.</i> Cambridge University Press, Cambridge 1937, S. 35</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. J.-C. Chabrier: <i>Ṭunbūr.</i> In: <i><a href="The_Encyclopaedia_of_Islam._New_Edition" class="mw-redirect" title="The Encyclopaedia of Islam. New Edition">The Encyclopaedia of Islam. New Edition</a></i>. Band 10, Brill, Leiden 2000, S. 625</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Laurence Libin, 2014, S. 705</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.atlasofpluckedinstruments.com/middle_east.htm"><i>Atlas of Plucked Instruments. Middle East:</i></a> <i>Dagestan: agach komus</i></span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Andrea Kuzmich: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://kuzinthecaucasus.wordpress.com/2014/02/25/the-bards-ballads-of-dagestan/"><i>The Bards &amp; Ballads of Dagestan.</i></a> 25. Februar 2014</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Manašir Jakubov: <i>Kaukasien. 5. Dagestan.</i> In: <a href="Ludwig_Finscher" title="Ludwig Finscher">Ludwig Finscher</a> (Hrsg.): <i><a href="Die_Musik_in_Geschichte_und_Gegenwart" title="Die Musik in Geschichte und Gegenwart">Die Musik in Geschichte und Gegenwart</a></i>. Sachteil 5, 1996, Sp. 25–27</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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